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Multisig für Privatpersonen

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Bei einer Multisig-Wallet gehören mehrere Schlüssel zusammen, und eine festgelegte Anzahl davon muss jede Überweisung unterschreiben. Ein einzelner gefundener Schlüssel nützt einem Dieb dann nichts, ein einzelner verlorener kostet dich nichts. Bezahlt wird das mit mehr Teilen, die alle überleben müssen, und mit einer zweiten Sicherung neben den Wörtern.

Was m-von-n bedeutet

Das Verfahren ist alt und stammt aus einem Vorschlag von 2011, der M-von-N-Transaktionen als Standardtyp einführte. Die Begründung dort lautet, Anwendungen zu ermöglichen, bei denen mehr als eine Unterschrift nötig ist.

n ist die Zahl der Schlüssel, m die Zahl der nötigen Unterschriften. Beides legst du beim Einrichten fest, und beides steht danach fest.

Aufbau Was er leistet Wofür er taugt
2 von 2 beide Schlüssel nötig zwei Personen, die gemeinsam verfügen
2 von 3 ein Ausfall folgenlos der übliche Aufbau für Privatpersonen
3 von 5 zwei Ausfälle folgenlos grosse Beträge, mehrere Orte

2-von-2 hat keinen Puffer. Fällt ein Schlüssel aus, ist der Bestand weg. Der Aufbau taugt für Situationen, in denen genau das gewollt ist, und für eine Einzelperson ist er eine Verschlechterung gegenüber einer einzelnen Wallet.

2-von-3 ist der Aufbau, um den es hier geht. Drei Schlüssel, an drei getrennten Orten, von denen zwei genügen. Ein Einbruch an einem Ort führt zu nichts. Ein Brand an einem Ort führt zu nichts. Erst zwei gleichzeitige Ereignisse werden gefährlich.

Die Sicherung, die dazukommt

Hier liegt der Teil, den Einführungen gern übergehen, und er entscheidet über Erfolg oder Totalverlust.

Die Schlüssel allein ergeben die Wallet noch nicht. Eine gewöhnliche Wallet folgt vollständig aus einer Wortliste. Eine Multisig-Wallet braucht zusätzlich die Angabe, welche öffentlichen Schlüssel zusammengehören, wie viele Unterschriften verlangt sind und nach welchem Ableitungsmuster die Adressen entstehen; diese Angaben zusammen bilden die Wallet-Beschreibung.

Ohne sie sind alle drei Schlüssel wertlos. Wer sie verliert, hält drei Wortlisten in der Hand und kann daraus nicht rekonstruieren, welche Wallet sie gemeinsam bilden.

Der Standard dafür kam nachträglich. Ein Vorschlag von 2021 hält in seiner Begründung fest, es fehle ein einheitliches Verfahren, um Multisig-Wallets über verschiedene Hersteller hinweg sicher einzurichten. Er verlangt unter anderem, dass jedes beteiligte Gerät die Beschreibung dauerhaft speichert.

So entsteht ein 2-von-3-Aufbau

Der Ablauf unterscheidet sich je nach Programm in den Beschriftungen und kaum in der Reihenfolge.

  1. Drei Schlüssel getrennt erzeugen, jeder auf seinem eigenen Gerät. Kein Gerät sieht dabei die Wörter eines anderen.
  2. Von jedem Gerät den öffentlichen Teil auslesen und in dieselbe Wallet-Software einlesen. Der private Teil bleibt, wo er ist.
  3. Die Schwelle festlegen, hier zwei von drei, und die Wallet erzeugen lassen.
  4. Die Wallet-Beschreibung auf jedes Gerät zurückspielen und zusätzlich ausdrucken oder abschreiben.
  5. Alle drei Kombinationen proben, mit einem kleinen Betrag: erster und zweiter Schlüssel, erster und dritter, zweiter und dritter.
  6. Erst danach den Bestand umziehen.

Schritt 5 ist der, den man auslässt, wenn es spät wird. Er ist zugleich der einzige, der beweist, dass der Aufbau im Ernstfall trägt.

Was Multisig löst und was nicht

Fall Einzelne Wallet 2 von 3
Jemand findet eine Wortliste Bestand weg folgenlos
Eine Sicherung verbrennt Bestand weg, falls die einzige folgenlos
Du vergisst die Passphrase Bestand weg folgenlos, falls nur ein Schlüssel betroffen
Zwei von drei Orten fallen aus entfällt Bestand weg
Die Wallet-Beschreibung fehlt entfällt Bestand weg
Jemand zwingt dich zur Herausgabe Bestand weg Bestand weg
Du unterschreibst eine falsche Adresse Bestand weg Bestand weg

Die letzten beiden Zeilen sind der Punkt, an dem Multisig überschätzt wird. Gegen eine Überweisung, die du selbst freigibst, hilft kein Aufbau. Wer dich dazu bringt, unterschreibst du zweimal statt einmal.

Der Aufwand, ehrlich beziffert

Drei Geräte statt einem. Bei drei Hardware-Wallets sind das je nach Auswahl zwischen 200 und 500 Franken. Welche Geräte was kosten, steht unter Hardware-Wallets im Vergleich.

Drei Sicherungen statt einer, an drei getrennten Orten, plus die Wallet-Beschreibung an jedem davon.

Die Wiederherstellungsprobe wird länger. Bei einer einzelnen Wallet prüfst du eine Sicherung. Hier prüfst du, ob sich aus je zwei der drei Schlüssel tatsächlich unterschreiben lässt, und das sind drei Kombinationen.

Jede Überweisung braucht zwei Geräte. Wenn eines im Bankschliessfach liegt, ist eine Überweisung ein Termin während der Schalteröffnungszeiten.

Und es kostet mehr Gebühr. Eine Transaktion mit mehreren Unterschriften ist grösser als eine mit einer, und die Netzwerkgebühr bemisst sich an der Grösse.

Ab wann es sich lohnt

Eine Frankengrenze steht hier nicht, weil sie erfunden wäre. Die Antwort folgt aus einem Vergleich zweier Risiken.

Multisig nimmt ein Risiko weg: dass ein einzelner Fund oder ein einzelner Verlust alles kostet. Multisig fügt eines hinzu: dass von mehr Teilen zu wenige überleben. Es lohnt sich, sobald das erste Risiko grösser ist als das zweite, und dafür gibt es drei erkennbare Anzeichen.

  1. Du kannst nicht jeden Aufbewahrungsort kontrollieren. Wer eine Sicherung bei einer Person oder in einem fremden Raum ablegen muss, gibt bei einer einzelnen Wallet die volle Verfügungsmacht ab. Bei 2-von-3 gibt er nichts ab.
  2. Mehr als eine Person muss handeln können, jetzt oder nach deinem Tod. Ein Schlüssel lässt sich nicht teilen, drei Schlüssel lassen sich verteilen.
  3. Der Betrag rechtfertigt einen gezielten Angriff. Ab einer Grössenordnung, bei der jemand für den Zugriff Aufwand betreiben würde, ist ein einzelner Fundort die Schwachstelle.

Trifft keines davon zu, liegt der grössere Hebel woanders. Eine Sicherung in Metall, ein zweiter Aufbewahrungsort und eine einmal durchgeführte Wiederherstellungsprobe verhindern mehr Verluste als jeder zusätzliche Schlüssel. Wie das aussieht, steht unter Seed-Phrase sichern.

Was in der Schweiz anders ist: der Nachlass

Hier hat Multisig einen Platz, den ihm nichts anderes streitig macht.

Das Erbrecht verlangt gemeinsames Handeln, die Technik erlaubt es nicht. Nach Art. 560 ZGB geht die Erbschaft mit dem Tod von Gesetzes wegen auf die Erben über, und nach Art. 602 ZGB bilden mehrere Erben bis zur Teilung eine Gemeinschaft und verfügen gemeinsam. Ein privater Schlüssel lässt sich so nicht halten: Wer ihn hat, kann allein überweisen, ohne Rückfrage und ohne dass es sich rückgängig machen liesse.

Ein 2-von-3-Aufbau bildet die Rechtslage technisch ab. Ein Schlüssel bei dir, einer bei einer Vertrauensperson, einer an einem dritten Ort. Zu deinen Lebzeiten kann die Vertrauensperson nichts unternehmen, weil ein Schlüssel nicht genügt. Nach deinem Tod genügen zwei, und die Erben kommen an den Bestand, ohne dass jemand vorher volle Verfügungsmacht hatte.

Damit löst sich der Konflikt, an dem das Zugangsdokument leidet. Wer eine vollständige Wortliste hinterlegt, muss jemandem alles anvertrauen. Wer einen von drei Schlüsseln hinterlegt, vertraut niemandem alles an. Der übrige Teil bleibt, wie er ist: die Zuweisung im Testament, die Anleitung für Laien und die Frage, wo hinterlegt wird. Das steht vollständig unter Bitcoin im Nachlass regeln.

Ein Punkt bleibt hier offen. Es gibt im Ausland Anbieter, die als Dienstleistung einen der drei Schlüssel halten und im Erbfall mitwirken. Ob ein Schweizer Anbieter oder ein Notariat das anbietet und unter welchen Bedingungen, liess sich für diesen Artikel nicht belegen. Wer diesen Weg erwägt, stellt die Frage dort, wo sie hingehört, und verlässt sich nicht auf eine Vermutung von hier.

Der Schritt davor

Prüfe zuerst, ob die einfache Verwahrung bei dir sitzt. Eine Wiederherstellungsprobe, eine Sicherung, die Feuer übersteht, und ein zweiter Ort. Wer das hat und dann feststellt, dass eines der drei Anzeichen oben auf ihn zutrifft, richtet Multisig mit kleinen Beträgen ein und prüft jede der drei Kombinationen, bevor der Bestand umzieht.

Wer noch am Anfang steht, findet den Weg zum ersten Bestand und Bitcoin-Wallet erstellen.

Häufige Fragen

Was bedeutet 2-von-3 bei einer Bitcoin-Wallet?

Zur Wallet gehören drei Schlüssel, und zwei beliebige davon genügen für eine Überweisung. Ein einzelner Schlüssel reicht weder zum Ausgeben noch geht durch seinen Verlust etwas verloren.

Ist Multisig sicherer als eine Hardware-Wallet mit einer Seed-Phrase?

Gegen Diebstahl und gegen den Verlust eines Fundorts ja. Gegen eigene Fehler nicht, weil mehr Teile vorhanden sind, die alle überleben müssen. Die häufigste Verlustursache bei Multisig ist der Aufbau selbst.

Was ist eine Wallet-Beschreibung und warum brauche ich sie?

Sie hält fest, welche öffentlichen Schlüssel zur Wallet gehören, wie viele Unterschriften nötig sind und nach welchem Muster die Adressen abgeleitet werden. Ohne diese Angaben lässt sich die Wallet auch mit allen Schlüsseln nicht rekonstruieren.

Kann ich Geräte verschiedener Hersteller kombinieren?

Grundsätzlich ja, und es ist einer der Gründe für Multisig. Ein Standard für dieses Zusammenspiel wurde erst nachträglich geschaffen, und wie gut es im Einzelfall läuft, prüfst du mit kleinen Beträgen, bevor du dich darauf verlässt.

Löst Multisig das Nachlassproblem?

Es löst den technischen Teil davon. Ein einzelner Schlüssel gibt einer Person volle Verfügungsmacht zu deinen Lebzeiten. Bei 2-von-3 kann eine Vertrauensperson einen Schlüssel halten, ohne allein handeln zu können. Die erbrechtliche Zuweisung ersetzt das nicht.

Quellen

  1. BIP-11, M-of-N Standard Transactions, Bitcoin Improvement Proposals , abgerufen am
  2. BIP-129, Bitcoin Secure Multisig Setup (BSMS), Bitcoin Improvement Proposals , abgerufen am
  3. Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB, SR 210), Stand 1. Januar 2025, Art. 560 und 602 , abgerufen am

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