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Bitcoin-Wallet erstellen
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Eine Bitcoin-Wallet zu erstellen dauert wenige Minuten und verlangt weder Anmeldung noch Anbieter. Die Software würfelt eine Zahl, zeigt sie dir als zwölf oder vierundzwanzig Wörter und rechnet daraus jeden Schlüssel und jede Adresse aus. Die Arbeit beginnt danach: diese Wörter zu sichern und die Wiederherstellung einmal zu proben.
Was beim Erstellen tatsächlich passiert
Das Wort «erstellen» führt in die Irre, weil es nach einem Konto klingt. Es wird nichts angelegt, nichts reserviert und nichts gemeldet.
Am Anfang steht eine Zufallszahl. Die Software erzeugt 128 oder 256 Bit Zufall auf deinem Gerät. Alles Weitere folgt daraus durch Rechnen: der private Schlüssel, daraus der öffentliche, daraus die Adressen, an die dir jemand überweisen kann. Es gibt dabei keinen Schritt, bei dem ein Server gefragt wird.
Die Wörter sind diese Zahl in lesbarer Form. Ein festgelegtes Verzeichnis von 2’048 englischen Wörtern übersetzt sie in eine Liste, die sich abschreiben lässt, ohne dass sich Ziffern verwechseln. Aus derselben Liste lässt sich die Zahl jederzeit zurückrechnen, in jedem Programm, das dieses Verfahren beherrscht. Wie das im Einzelnen aufgebaut ist, steht unter Seed-Phrase sichern.
Daraus folgt die wichtigste Eigenschaft: Die Wallet ist die Wortliste. Das Programm, das Gerät und die Oberfläche sind austauschbar. Wer die Wörter hat, hat den Bestand, auch auf einem anderen Programm und in zehn Jahren. Wer sie verliert, hat ihn nicht mehr, und daran ändert kein Kundendienst etwas.
Die drei Entscheidungen davor
Software oder Gerät
Eine Software-Wallet läuft auf einem Rechner oder Handy, das am Internet hängt. Sie ist kostenlos, in fünf Minuten eingerichtet und für kleine Beträge angemessen.
Eine Hardware-Wallet hält den Schlüssel getrennt davon, weshalb sie gelegentlich Cold Wallet heisst und die erste Cold Storage. Sie kostet zwischen 60 und 200 Franken und lohnt sich, wenn der Betrag den Gerätepreis deutlich übersteigt. Welches Gerät was leistet, steht unter Hardware-Wallets im Vergleich.
Woran sich brauchbare Software erkennen lässt, ohne dass hier ein Name steht: Der Quelltext ist offen einsehbar, der Herausgeber ist benannt, die letzte Veröffentlichung liegt Monate und keine Jahre zurück, und das Programm verwahrt nichts für dich. Wer bei einer dieser vier Fragen nichts findet, hat die Antwort.
Der Ablauf beim Erstellen ist bei beiden derselbe, und das ist der Grund, warum diese Entscheidung nicht am Anfang stehen muss. Wer mit Software beginnt, die Wörter sauber sichert und später ein Gerät kauft, hat nichts falsch gemacht.
Wer den Schlüssel hält
Hier liegt die Entscheidung, die den Rest bestimmt.
| Bei dir | Beim Anbieter | |
|---|---|---|
| Wer verfügen kann | du, mit den Wörtern | der Anbieter, auf deine Anweisung |
| Wenn du den Zugang verlierst | niemand hilft dir | Kundendienst und Ausweis |
| Wenn der Anbieter ausfällt | dich betrifft es nicht | die Aussonderung entscheidet |
| Wer dich identifizieren muss | niemand | der Anbieter, nach GwG |
| Aufwand | Sicherung, Probe, Ort | Anmeldung |
Der linke Weg heisst Selbstverwahrung: Bitcoin liegen in einer Wallet, deren Schlüssel man selbst kontrolliert, statt bei einem Anbieter. Kein Ausfallrisiko Dritter, dafür trägt man die Verantwortung für die Sicherung allein.. Beide Wege haben ihren Preis, und der eine ist Aufwand, der andere Abhängigkeit. Was im Konkursfall eines Anbieters gilt, steht unter Bitcoin im Konkursfall.
Wo der Bestand herkommt
Diese Frage kommt zuletzt und wird am häufigsten übersprungen. Eine eigene Wallet nützt nur, wenn dein Anbieter die Auszahlung auf eine eigene Adresse zulässt. Bei einem der geprüften Schweizer Anbieter geht das nicht: Die Produktbeschreibung von PostFinance führt die Zeile «Transfer (Empfangen und Senden)» mit dem Wert «aktuell nicht verfügbar».
Wer dort kauft, kann eine Wallet erstellen und wird sie nie füllen. Welche Anbieter auszahlen, steht im Kaufüberblick.
Der Ablauf, Schritt für Schritt
Bei jeder ernstzunehmenden Wallet läuft es gleich ab. Die Beschriftungen unterscheiden sich, die Reihenfolge kaum.
- Programm laden, ausschliesslich von der Seite des Herstellers oder aus dem Store, den er selbst nennt. Wallet-Software ist ein beliebtes Ziel für Nachahmungen.
- «Neue Wallet erstellen» wählen, nicht «wiederherstellen». Der zweite Weg ist für später, wenn du eine bestehende Sicherung einliest.
- Die Wörter werden angezeigt. Ab hier sind sie der Bestand. Schreib sie von Hand ab, in der angezeigten Reihenfolge, nummeriert.
- Das Programm fragt einzelne Wörter zurück. Dieser Schritt prüft, ob du sie tatsächlich notiert hast.
- Ein Kennwort oder eine PIN einrichten. Sie schützt das Gerät im Alltag und ersetzt die Wörter nicht.
- Eine erste Adresse anzeigen lassen und einen kleinen Betrag darauf überweisen.
Warum die Adresse jedes Mal anders aussieht
Eine Beobachtung, die viele beim ersten Empfang beunruhigt: Die Wallet zeigt nach jeder eingegangenen Zahlung eine neue Adresse an.
Das ist so gewollt. Aus der einen Zufallszahl leitet das Programm beliebig viele Adressen ab, und es nimmt für jeden Empfang die nächste. Wer immer dieselbe verwendet, macht jedem, der sie kennt, den gesamten Zahlungsverlauf sichtbar, denn die Bitcoin-Datenbank ist öffentlich.
Alte Adressen bleiben gültig. Wer dir auf eine frühere überweist, erreicht dich weiterhin; die Wallet kennt alle. Es besteht also kein Anlass, eine einmal weitergegebene Adresse zurückzurufen.
Für die Sicherung ändert sich nichts. Die Adressen musst du nicht notieren, weil sie sich aus den Wörtern jederzeit neu berechnen lassen. Gesichert wird die Wortliste, sonst nichts.
Die zwei Stellen, an denen es schiefgeht
Der Bildschirm bei Schritt 3. Die Versuchung, die Wörter zu fotografieren oder in einen Passwortmanager zu kopieren, ist an dieser Stelle am grössten, weil das Abschreiben mühsam ist. Ein Foto liegt danach in einer Cloud-Sicherung, in einer Bildergalerie mit Gesichtserkennung und auf jedem Gerät, das sich damit abgleicht. Du weisst nicht mehr, wo überall.
Der Bestätigungsschritt bei Schritt 4. Manche Programme lassen sich hier überspringen. Wer das tut, hat eine Wallet, deren Sicherung nie geprüft wurde, und merkt es erst im schlechtesten Moment.
Die Probe, ohne die es nicht zählt
Eine Sicherung, die nie gelesen wurde, ist eine Vermutung. Der Durchgang dauert eine Viertelstunde und beantwortet die einzige Frage, die zählt.
Überweise einen kleinen Betrag auf die neue Wallet. Setze das Programm oder das Gerät danach zurück, als wäre es verloren. Stelle es aus deinen aufgeschriebenen Wörtern wieder her und sieh nach, ob der Betrag da ist.
Wer diesen Durchgang gemacht hat, weiss zweierlei: dass die Liste stimmt, und wie sich der Ernstfall anfühlt. Was bleibt, wenn ein Teil davon fehlt, steht unter Zugang zur Wallet verloren.
Was in der Schweiz anders ist
Für die eigene Wallet braucht es keine Bewilligung und keine Meldung. Nach Art. 2 Abs. 3 GwG ist Finanzintermediär, wer berufsmässig fremde Vermögenswerte annimmt, aufbewahrt oder hilft, sie zu übertragen. Wer eigene Schlüssel für sich selbst verwahrt, erfüllt keine der beiden Voraussetzungen. Das Erstellen einer Wallet ist damit ein Vorgang ohne Gegenüber.
Die Steuerpflicht hängt nicht am Ort der Verwahrung. Der Bestand gehört per Stichtag ins Wertschriftenverzeichnis, ob er bei einer Bank liegt oder auf einem Gerät in deiner Schublade. Wie er zu bewerten ist, steht unter Bitcoin und Steuern.
Und die Sprache ist Englisch. Das Wortverzeichnis ist englisch, in jedem Programm und für jede Oberflächensprache. Deutsche Wortlisten existieren im Verfahren zwar, sind aber praktisch nirgends im Einsatz. Wer «Zufall» oder «Haus» auf seinem Zettel stehen hat, hat etwas anderes vor sich als eine gewöhnliche Sicherung und sollte das klären, bevor er sich darauf verlässt.
Der nächste Schritt
Die Wallet ist in fünf Minuten erstellt, und danach steht die Frage, die alles entscheidet: wohin mit den Wörtern. Sie gehören nicht in ein Foto, nicht in einen Passwortmanager und nicht in eine Cloud. Wohin dann, mit welchem Material und an wie vielen Orten, steht unter Seed-Phrase sichern.
Häufige Fragen
Was kostet es, eine Bitcoin-Wallet zu erstellen?
Nichts. Wallet-Software ist kostenlos, und für das Erzeugen der Schlüssel fällt keine Gebühr an, weil dabei nichts an das Bitcoin-Netzwerk gesendet wird. Kosten entstehen erst bei der ersten Überweisung und, wenn du dich dafür entscheidest, beim Kauf eines Geräts.
Brauche ich für eine Wallet eine Anmeldung oder einen Ausweis?
Nein. Eine Wallet ist kein Konto bei einem Unternehmen. Beim Erstellen entsteht eine Zufallszahl auf deinem Gerät; niemand nimmt davon Kenntnis und niemand muss zustimmen. Ausweis und Anmeldung verlangt der Anbieter, bei dem du kaufst, und das ist ein anderer Vorgang.
Wie viele Wörter soll ich wählen, zwölf oder vierundzwanzig?
Beide sind nach heutigem Stand nicht zu erraten. Zwölf Wörter stehen für 128 Bit Zufall, vierundzwanzig für 256 Bit. Der praktische Unterschied liegt beim Aufschreiben und beim Wiedereintippen, nicht bei der Sicherheit gegen Raten.
Kann ich mehrere Wallets aus einer Sicherung führen?
Ja. Aus einer Wortliste lassen sich mehrere getrennte Konten ableiten, und die meisten Programme bieten das an. Eine Sicherung deckt dann alle ab, was bequem ist und zugleich bedeutet, dass ihr Verlust auch alle betrifft.
Ist eine Wallet auf dem Handy sicher genug?
Für Beträge, deren Verlust dich nicht ernsthaft trifft, ja. Das Handy hängt am Internet, und darin liegt der Unterschied zu einem Gerät, das den Schlüssel offline hält. Ein üblicher Aufbau ist deshalb ein kleiner Betrag auf dem Handy für den Alltag und der Rest getrennt davon.
Quellen
- BIP-39, Mnemonic code for generating deterministic keys, Bitcoin Improvement Proposals , abgerufen am
- Bundesgesetz über die Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung (GwG), SR 955.0, Artikel 2 , abgerufen am
- PostFinance, Produktbeschreibung Krypto (PDF), Zeile «Transfer (Empfangen und Senden)» , abgerufen am
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