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Bitcoin und der Energieverbrauch
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Das Bitcoin-Netzwerk wird auf 142.66 TWh Stromverbrauch im Jahr geschätzt. Der Schweizer Stromverbrauch lag 2024 bei 57.5 TWh. Der Vergleich, den Schweizer Medien seit Jahren ziehen, stimmt somit. Es ist rund zweieinhalbmal so viel. Was diese Zahl beschreibt und was sie nicht beschreibt, ist die schwierigere Frage.
Woher die beiden Zahlen kommen
Die Schweizer Zahl ist eine Statistik. Das Bundesamt für Energie erhebt sie und veröffentlicht sie jährlich. Für 2024 lautet der Wortlaut der Medienmitteilung: «2024 ist der Schweizer Stromverbrauch gegenüber dem Vorjahr um rund 1,4% auf 57,5 TWh gestiegen.» Die inländische Erzeugung lag im selben Jahr bei 81.1 TWh.
Die Bitcoin-Zahl ist eine Schätzung. Niemand misst den Verbrauch des Netzwerks, weil niemand weiss, welche Geräte weltweit laufen. Das Cambridge Centre for Alternative Finance rechnet deshalb rückwärts. Es kennt die Rechenleistung des gesamten Netzwerks, kennt die am Markt verfügbaren Geräte und schätzt, welche davon sich bei welchem Strompreis noch betreiben lassen.
Daraus ergibt sich eine Spanne statt eines Wertes. Am 23. August 2026 lautete sie 76.37 bis 251.90 TWh, mit 142.66 TWh als bestem Schätzwert.
Was der Vergleich mit der Schweiz aussagt
| TWh im Jahr | |
|---|---|
| Schweizer Stromverbrauch 2024 | 57.5 |
| Schweizer Landeserzeugung 2024 | 81.1 |
| Bitcoin, Untergrenze der Schätzung | 76.37 |
| Bitcoin, bester Schätzwert | 142.66 |
| Bitcoin, Obergrenze der Schätzung | 251.90 |
Der beste Schätzwert liegt über der gesamten Schweizer Stromproduktion, Wasserkraft und Kernkraft zusammengenommen. Das ist der Kern der Berichterstattung, und er ist zutreffend.
Die Grössenordnung im Weltmassstab bleibt dabei offen. Die Schweiz ist ein Land mit neun Millionen Einwohnern. Ein weltweites Netzwerk daneben zu stellen, setzt zwei verschieden grosse Dinge nebeneinander. Der Vergleich ist damit anschaulich und trägt keine Wertung.
Warum «pro Transaktion» nicht funktioniert
Die zweithäufigste Frage lautet, wie viel Strom eine einzelne Transaktion kostet. Rechnen lässt sich das.
Über 150 Blöcke, beobachtet am 23. August 2026 über gut einen Tag, enthielt ein Block im Mittel 5’093 Transaktionen. Hochgerechnet sind das rund 701’640 Transaktionen am Tag. Teilt man den geschätzten Jahresverbrauch durch die Jahresmenge an Transaktionen, ergeben sich rund 557 Kilowattstunden je Transaktion. Am Zürcher Haushaltstarif von 24.76 Rappen wären das CHF 138.
Beschreiben tut diese Zahl nichts. Der Grund liegt in der Bauweise des Netzwerks. Alle zehn Minuten entsteht ein Block, und das geschieht unabhängig davon, ob er hundert oder fünftausend Transaktionen enthält. Der Stromverbrauch entsteht beim Suchen dieses Blocks. Eine zusätzliche Transaktion darin erhöht ihn nicht.
Wovon der Verbrauch tatsächlich abhängt, sind drei Grössen: der Kurs, weil er bestimmt, wie viel ein gefundener Block wert ist; der Strompreis, weil er bestimmt, welche Geräte sich noch lohnen; und die Effizienz der Geräte selbst. Wie diese Rechnung für einen einzelnen Betrieb aussieht, steht unter Bitcoin-Mining in der Schweiz.
Die Kehrseite derselben Rechnung. Nimmt man statt des besten Schätzwerts die Untergrenze, ergeben sich 298 Kilowattstunden je Transaktion. Bei der Obergrenze sind es 984. Dieselbe Methode liefert je nach Annahme das Dreifache, ohne dass sich am Netzwerk etwas geändert hätte.
Warum bessere Geräte den Verbrauch nicht senken
Die Vermutung liegt nahe: Effizientere Geräte brauchen für dieselbe Arbeit weniger Strom, also müsste der Verbrauch sinken. Beobachtet wird das Gegenteil, und dafür gibt es einen Mechanismus.
Das Netzwerk passt seine Vorgabe an. Etwa alle zwei Wochen wird die Schwierigkeit so nachgeführt, dass ein Block wieder rund zehn Minuten dauert. Kommt Rechenleistung dazu, steigt die Schwierigkeit. Fällt Rechenleistung weg, sinkt sie. Die Zahl der Blöcke bleibt dadurch gleich, unabhängig davon, wie viele Geräte laufen.
Daraus folgt die Rechnung für den einzelnen Betreiber. Wenn ein neues Gerät je Recheneinheit weniger Strom braucht, wird sein Betrieb bei gleichem Strompreis rentabler. Rentabler Betrieb zieht weitere Geräte an, bis die Schwierigkeit so weit gestiegen ist, dass die Einnahmen die Stromkosten gerade noch decken. Der Verbrauch des Netzwerks pendelt sich also dort ein, wo die Wirtschaftlichkeit endet, und diese Grenze verschiebt sich mit dem Kurs.
Die Halbierung wirkt in die andere Richtung. Etwa alle vier Jahre halbiert sich der Betrag, den ein gefundener Block einbringt. Bei gleichbleibendem Kurs fällt damit die Hälfte der Einnahmen weg, und ein Teil der Geräte wird unrentabel. Was danach geschieht, hing bisher am Kurs.
Was mit Lightning geschieht
Auf der zweiten Schicht laufen Zahlungen ausserhalb des Registers. Nur Eröffnung und Schliessung eines Kanals stehen darin. Rechnerisch senkt das den Wert je Zahlung, weil mehr Zahlungen auf dieselbe Zahl von Blöcken kommen.
Am Verbrauch des Netzwerks ändert sich dadurch nichts. Er hängt an den drei genannten Grössen, und die Zahl der Zahlungen gehört nicht dazu. Wer die zweite Schicht als Energiesparmassnahme darstellt, rechnet mit einer Grösse, die schon vorher nichts beschrieben hat.
Was in der Schweiz anders ist
Die Berichterstattung, nicht der Sachverhalt. Der Vergleich «mehr Strom als die Schweiz» taucht in Schweizer Medien seit Jahren auf, weil die Schweiz darin die Vergleichsgrösse ist. Für einen Leser hier ist der Satz deshalb anschaulicher als anderswo. Er begegnet ihm auch häufiger.
Die eigene Stromerzeugung ändert nichts an der Rechnung. Mit 81.1 TWh Landeserzeugung und 57.5 TWh Verbrauch führt die Schweiz über das Jahr einen Überschuss. Dieser Überschuss ist zeitlich ungleich verteilt, und im Winter importiert das Land. Für die Frage, wie viel das Bitcoin-Netzwerk weltweit verbraucht, ist beides ohne Belang.
Was hier fehlt, ist der Energieträger. Zur Frage, aus welchen Quellen der Strom für das Mining stammt, gibt es Erhebungen, die auf Selbstauskünften von Betreibern beruhen. Für die Schweiz liegt keine Erhebung vor. Dieser Artikel nennt deshalb keine Quote, auch keine gerundete. Wer eine liest, sollte nachsehen, wer sie erhoben hat und wen die Erhebung gefragt hat.
Was aus dem Verbrauch folgt
Er gehört zur Bauweise. Das Register wird dadurch gesichert, dass seine Fortschreibung Arbeit kostet. Wäre diese Arbeit billig, wäre auch das Fälschen billig. Der Stromverbrauch ist der Preis dieser Sicherung.
Wer ihn senken will, ändert die Sicherung. Andere Netzwerke tun das und sichern ihr Register über hinterlegtes Vermögen statt über Arbeit. Das ist technisch möglich und es ist ein anderes System mit anderen Annahmen. Für Bitcoin steht diese Änderung nicht zur Debatte, weil sie ändern würde, was die Nutzer daran halten. Welche Einwände sonst noch verbreitet sind und was daran stimmt, steht unter Mythen und Fakten.
Die Bewertung bleibt beim Leser. Ob ein Verbrauch dieser Grössenordnung für die Leistung angemessen ist, die das Netzwerk erbringt, ist eine Frage der Abwägung. Dieser Artikel liefert dafür die Zahlen und ihre Grenzen.
Wie ein Kauf in der Schweiz praktisch abläuft, steht unter Anbieter, Gebühren und Wege zum Kauf.
Häufige Fragen
Verbraucht Bitcoin wirklich mehr Strom als die Schweiz?
Nach der Schätzung des Cambridge Centre for Alternative Finance ja. Der hochgerechnete Jahreswert lag am 23. August 2026 bei 142.66 TWh, der Schweizer Stromverbrauch 2024 nach Angabe des Bundesamts für Energie bei 57.5 TWh. Auch die Untergrenze der Schätzung von 76.37 TWh liegt darüber.
Wie viel Strom kostet eine einzelne Bitcoin-Transaktion?
Die Frage lässt sich rechnen und die Antwort trägt nicht. Teilt man den geschätzten Jahresverbrauch durch die hochgerechnete Zahl der Transaktionen, ergeben sich rund 557 Kilowattstunden. Eine zusätzliche Transaktion im selben Block erhöht den Verbrauch des Netzwerks aber nicht.
Senkt Lightning den Energieverbrauch von Bitcoin?
Es senkt den rechnerischen Wert je Transaktion, weil mehr Zahlungen auf dieselbe Zahl von Blöcken kommen. Der Verbrauch des Netzwerks bleibt davon unberührt, weil er an anderen Grössen hängt.
Sinkt der Verbrauch, wenn die Geräte effizienter werden?
Nach bisheriger Beobachtung nicht. Effizientere Geräte senken die Kosten je Recheneinheit, und dadurch lohnt sich der Betrieb von mehr Geräten. Der Verbrauch des Netzwerks pendelt sich dort ein, wo die Einnahmen die Stromkosten gerade noch decken.
Woher kommt der Strom für das Mining?
Das ist die Frage, auf die es keine belastbare Antwort gibt. Erhebungen zum Energieträgermix beruhen auf Selbstauskünften von Betreibern, und für die Schweiz liegt keine Erhebung vor. Der Artikel nennt deshalb keine Quote.
Quellen
- Bundesamt für Energie BFE, Medienmitteilung «Energieverbrauch 2024 leicht gestiegen», 19. Juni 2025 , abgerufen am
- Cambridge Centre for Alternative Finance, Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index , abgerufen am
- Eigene Erhebung über die Programmschnittstelle von mempool.space, Blöcke 963'561 bis 963'710 , abgerufen am
- Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom, Strompreise Schweiz, Gemeinde Zürich, Tarifjahr 2026, Kategorie H4, Produkt Standard , abgerufen am
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