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BitcoinBasis

Bitcoin · Einstieg

Woran man Geld misst

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Geld wird an sechs Eigenschaften gemessen: Knappheit, Haltbarkeit, Teilbarkeit, Übertragbarkeit, Erkennbarkeit und Fungibilität. Diese Liste ist älter als Bitcoin, älter als Papiergeld und älter als die Zentralbanken. Sie ist zugleich der einzige Massstab, der nicht davon abhängt, was man von einer Geldform hält. Keine erfüllt alle sechs gleich gut, Bitcoin auch nicht.

Die sechs Eigenschaften im Überblick

Eigenschaft Was sie verlangt Gold Bargeld Buchgeld Bitcoin
Knappheit die Menge lässt sich nicht beliebig vermehren hoch, aber förderbar politisch bestimmt politisch bestimmt fest begrenzt
Haltbarkeit es zerfällt nicht mit der Zeit sehr hoch mittel, Papier verschleisst hoch, solange die Bank besteht hoch, solange das Netzwerk läuft
Teilbarkeit es lässt sich in kleine Einheiten zerlegen schlecht gut bis zum Rappen gut sehr gut, hundert Millionen Teile je Einheit
Übertragbarkeit es lässt sich über Distanz bewegen sehr schlecht nur von Hand zu Hand gut, in Öffnungszeiten und Grenzen gut, weltweit, jederzeit
Erkennbarkeit Echtheit lässt sich prüfen Fachwissen nötig Sicherheitsmerkmale Vertrauen in die Bank technisch eindeutig, für Laien undurchsichtig
Fungibilität jede Einheit gilt so viel wie jede andere ja weitgehend ja siehe unten

Jede Geldform tauscht dabei Stärken gegen Schwächen. Die Frage «besser wofür» führt deshalb weiter als die Frage «besser».

Knappheit

An dieser Eigenschaft schneidet Bitcoin am deutlichsten ab. Die Begründung dahinter trägt dabei weiter als die Zahl selbst.

Die Menge ist auf höchstens 21 Millionen Einheiten begrenzt; die Summe der Reihe erreicht diesen Wert nie ganz, nachzulesen unter Was ist Bitcoin. Entscheidend ist die Frage, wer sie garantiert: niemand. Es gibt keine Stelle, die zusichert, die Grenze einzuhalten. Es gibt eine Regel, die jeder Teilnehmer selbst überprüft und ohne die seine Software fremde Zahlungen ablehnt.

Der Unterschied zu einer Zusage ist grundsätzlich. Eine Institution, die Knappheit verspricht, kann das Versprechen ändern; sie hat es historisch mehrfach getan, und sie hatte dafür teils gute Gründe. Eine Regel, die von Zehntausenden unabhängig geprüft wird, lässt sich nur ändern, wenn fast alle mitmachen. Die meisten hätten davon einen Nachteil.

Gold ist knapp, aber nicht begrenzt. Steigt der Preis, lohnt sich aufwendigere Förderung, und die Menge wächst. Das ist ein langsamer, aber verlässlicher Mechanismus.

Buch- und Bargeld sind gesteuert, ihre Menge lässt sich anpassen. Das ist kein Vorwurf: Steuerbarkeit ist der Zweck. Eine Zentralbank, die die Menge nicht anpassen könnte, hätte in einer Krise kein Werkzeug.

Haltbarkeit

Gold gewinnt, und zwar deutlich: Es korrodiert nicht, es zerfällt nicht, ein römischer Aureus ist heute noch, was er war.

Bitcoin ist als Information nicht verderblich, aber seine Haltbarkeit hängt an etwas anderem: daran, dass das Netzwerk weiterläuft, und daran, dass der Schlüssel erhalten bleibt. Das zweite ist die praktisch relevantere Bedingung. Verlierst du die Seed-Phrase: Eine Liste von meist 12 oder 24 Wörtern, aus der sich alle Schlüssel einer Wallet wiederherstellen lassen. Wer sie hat, hat die Bitcoin. Wer sie verliert, verliert sie., sind deine Bitcoin verloren, obwohl sie unverändert im Netzwerk stehen und jeder sie sehen kann. Diese Form des Verlusts gibt es bei keiner anderen Geldform in dieser Härte.

Papiergeld verschleisst und wird ersetzt. Buchgeld ist haltbar, solange die Bank besteht, was in Krisen nicht immer der Fall war.

Teilbarkeit und Übertragbarkeit

Hier liegt der historische Grund, warum Gold als Zahlungsmittel verschwand.

Gold ist schlecht teilbar: Ein Zehntelgramm lässt sich nicht praktisch abwiegen, prüfen und weitergeben. Und es ist schlecht übertragbar: Über Distanz muss es physisch bewegt, versichert und bewacht werden. Aus diesem Mangel entstanden Papierscheine, die Gold vertraten: Sie waren die Übertragbarkeit, die dem Gold fehlte.

Bitcoin ist in beidem stark. Eine Einheit zerfällt in hundert Millionen Teile, und eine Zahlung nach Übersee unterscheidet sich technisch nicht von einer ins Nachbarhaus.

Die Übertragbarkeit hat allerdings eine Grenze. Die Basisschicht des Netzwerks verarbeitet nur eine begrenzte Zahl von Zahlungen pro Zeiteinheit. Steigt die Nachfrage, steigen die Gebühren, und kleine Beträge werden unwirtschaftlich. Das ist die dauerhafte Kehrseite der Eigenschaft, dass jeder Teilnehmer jede Zahlung selbst prüfen kann; je mehr Zahlungen, desto mehr Aufwand für jeden. Zusätzliche Schichten über der Basisschicht lösen das für kleine Beträge; sie bringen dafür eigene Voraussetzungen mit.

Erkennbarkeit

Ein gutes Zahlungsmittel lässt den Empfänger prüfen, ob es echt ist. Bei Bargeld tun das Wasserzeichen und Fühlbarkeit; bei Gold braucht es Fachwissen oder ein Gerät.

Bei Bitcoin ist die Prüfung technisch eindeutig und praktisch anspruchsvoll. Eine Zahlung ist entweder gültig oder nicht, ohne Ermessensspielraum, aber die Prüfung übernimmt Software. Betreibst du keinen eigenen Knoten, verlässt du dich darauf, dass deine Wallet oder dein Anbieter richtig prüft. Für den Alltag reicht das; als Eigenschaft ist es schwächer als ein Sicherheitsmerkmal, das ein Mensch mit dem Daumen erkennt.

Dazu kommt eine Verwechslungsgefahr, die es bei Bargeld nicht gibt: Wer «Bitcoin» kauft und in Wahrheit ein anderes Erzeugnis mit ähnlichem Namen bekommt, merkt es unter Umständen lange nicht. Erkennbarkeit heisst hier auch, zu erkennen, was man hat.

Fungibilität

Fungibel heisst: Jede Einheit gilt so viel wie jede andere. Ein Zwanzigernote ist wie jede andere Zwanzigernote, unabhängig davon, wo sie vorher war.

Auf Protokollebene ist Bitcoin fungibel. Das Netzwerk kennt keine Unterscheidung nach Herkunft; jede Einheit wird nach denselben Regeln behandelt, und keine Zahlung ist gültiger als eine andere.

Auf Anwendungsebene ist er es nicht vollständig. Handelsplätze und Verwahrer bewerten die Herkunft eingehender Beträge, stützen sich dabei auf Analysedienstleister und können Guthaben zurückhalten, deren Vorgeschichte sie als belastet einstufen. Für den Betroffenen ist der Unterschied real: Zwei Beträge, die im Netzwerk gleichwertig sind, sind es bei einem Anbieter nicht.

Die beiden Ebenen hängen zusammen. Dieselbe Nachverfolgbarkeit, die ein öffentliches Register für Ermittler brauchbar macht, ist der Grund, warum Einheiten unterscheidbar werden. Die Rückverfolgbarkeit als Stärke zu führen und zugleich die Herkunft für belanglos zu erklären, ergibt zusammen keinen Sinn. Die Herkunft spielt eine Rolle. Im Protokoll tut sie es nicht, überall dort aber, wo Menschen Regeln darauf anwenden.

Praktisch heisst das: An einer Schranke sind zwei Beträge unter Umständen verschieden viel wert, auch wenn das Netzwerk sie gleich behandelt. Wer damit rechnet, kann eine Rückfrage seines Anbieters einordnen.

Wo Bitcoin klar schlecht abschneidet

Vier Schwächen stehen hier zusammen.

Schwankungsbreite. Ein Zahlungsmittel, dessen Kaufkraft sich innerhalb eines Jahres halbieren oder verdoppeln kann, ist für Preise, Löhne und Verträge unbrauchbar. Rechnungseinheit zu sein ist eine der klassischen Geldfunktionen, und diese erfüllt Bitcoin heute nicht.

Durchsatz der Basisschicht. Siehe oben: begrenzt, und bei hoher Nachfrage für kleine Beträge unwirtschaftlich.

Keine Rückabwicklung. Eine Zahlung an die falsche Adresse ist weg. Es gibt keine Stelle, die sie zurückholt. Dieselbe Eigenschaft, die eine Zahlung unumkehrbar und damit für den Empfänger sicher macht, macht einen Irrtum endgültig.

Bedienbarkeit. Wer selbst verwahrt, übernimmt Aufgaben, die sonst eine Bank erledigt. Das ist ein Preis, und er wird oft als Nebensache dargestellt, obwohl er der häufigste Grund für endgültige Verluste ist.

Was in der Schweiz anders ist

Der Vergleichsmassstab. Wer in einem Land mit stabiler Währung lebt, misst Bitcoin an einer Geldform, die ihre Aufgabe erfüllt. Der Franken ist teilbar, übertragbar, erkennbar und wertstabil genug, dass niemand über seine Eigenschaften nachdenkt. Das macht die Argumente, die anderswo unmittelbar einleuchten, hier schwächer. Sie müssen ohne den Verweis auf eine kaputte Währung auskommen.

Und die Goldnähe. Die Schweiz ist ein Land mit ausgeprägter Goldtradition, von der Verarbeitung bis zur Aufbewahrung. Wer hier über Knappheit und Haltbarkeit spricht, spricht zu einem Publikum, das den Vergleich mit Gold nicht erklärt bekommen muss und das die Schwächen von Gold aus eigener Anschauung kennt, etwa die Frage, wo man es lagert und wie man es prüft.

Was daraus folgt

Die Liste gibt kein Urteil her, also auch nicht den Satz, Bitcoin sei «besseres Geld». Was sie hergibt, ist eine Einordnung: Bitcoin ist stark, wo es um Knappheit, Haltbarkeit und Übertragbarkeit geht, und schwach, wo es um Wertstabilität, Bedienbarkeit und Erkennbarkeit für Laien geht.

Willst du wissen, wie sich dieselben Eigenschaften auf deine praktische Entscheidung auswirken, also Anspruch, Wertpapier oder Schlüssel, findest du das unter Börse, ETF oder selbst verwahren. Wer bei den Kaufwegen in der Schweiz anfangen will, findet sie dort.

Häufige Fragen

Was sind die Eigenschaften von gutem Geld?

Üblicherweise werden sechs genannt: Knappheit, Haltbarkeit, Teilbarkeit, Übertragbarkeit, Erkennbarkeit und Fungibilität. Sie beschreiben, was ein Gegenstand können muss, damit Menschen ihn freiwillig als Zahlungsmittel und Wertaufbewahrung akzeptieren.

Ist Bitcoin Geld?

Er erfüllt mehrere der klassischen Eigenschaften sehr gut und andere schlecht. Als allgemeines Zahlungsmittel im Alltag wird er in der Schweiz kaum verwendet; als knappe, haltbare und leicht übertragbare Vermögensform schneidet er stark ab. Welches Etikett man daraus ableitet, ist eine Definitionsfrage.

Warum ist die Begrenzung auf 21 Millionen glaubwürdig?

Weil jeder Teilnehmer sie selbst überprüft, statt sich auf eine Zusage zu verlassen. Wer die Regel ändern wollte, müsste eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer dazu bringen, gegen das eigene Interesse zu handeln. Eine Zusage kann eine Institution dagegen zurücknehmen.

Quellen

  1. Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System (Whitepaper) , abgerufen am
  2. BIP-39: Mnemonic code for generating deterministic keys , abgerufen am

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